Unter der Lupe: Fünf Leistungsträger des Handball-Verbandsligisten TV Oberkirch haben ihre Karriere beendet. Für Trainer Daniel Kempf ist der Aufbau des neuen Teams in seiner zehnten Saison „spannend“.
Seit Jahren geistert das Wort „Umbruch“ durch die Oberdorfhalle. Es waren aber doch immer die Routiniers wie Timo Roll, Dennis Roll oder Yannick Ludwig, die die Kohlen beim TV Oberkirch aus dem Feuer holten. Damit ist es jetzt vorbei. Das Trio hat seine Karriere ebenso beendet wie Marius Angrick und Christopher Bildner. Marc Wachsmann steht verletzungsbedingt nur noch als Torwarttrainer zur Verfügung, Niklas Trayer ist beruflich bedingt nach Stuttgart umgezogen. Aus dem vielbeschworenen „Umbruch“ wird beim Handball-Verbandsligisten damit sogar ein „Neuanfang“.
Für Trainer Daniel Kempf, der bereits in seine zehnte Saison im Renchtal geht, ist das eine spannende Entwicklung. „Es gibt auch für mich als Trainer jetzt neue Ansätze. Das motiviert mich total. Ich bin gezwungen, mich selbst immer wieder zu reflektieren. Man kann nicht einfach im alten Trott weitermachen.“ Die Mannschaft muss sich neu finden, Hierarchien müssen wachsen, jeder Spieler sucht seinen Platz im Gefüge. „Wir spüren eine große Energie in der Mannschaft. Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt. Die Saison wird eine echte Wundertüte“, blickt Oberkirchs Handball-Abteilungsleiter Oliver Fies voraus.
Neue schon gut integriert
Vier Neuzugänge sollen die großen Lücken schließen. Der Elsässer Mikael Kauffmann bringt trotz seiner erst 24 Jahre bereits höherklassige Erfahrung aus der dritten Liga beim TV Willstätt mit. Danach war er für den HGW Hofweier und die SG Kenzingen/Herbolzheim aktiv. „Er kann auf Linksaußen spielen oder im Rückraum, hat seine Stärken in der zweiten Phase und im Tempospiel“, erklärt Kempf: „Er ist nach einem längeren Urlaub erst seit gut einer Woche im Training und muss seine Rolle noch finden.“
Die offene Planstelle am Kreis wurde mit dem aus Hamburg stammenden Jannik Riccius besetzt. „Vor allem in der Abwehr kann er uns richtig helfen und er passt als Typ sehr gut zu uns“, freut sich der Coach, der aber auch schon einen kleinen Rückschlag hinnehmen musste. Fabian Huschle, der als vielversprechendes Talent aus der eigenen Jugend bereits zum Ende der letzten Saison sein Potenzial andeutete, hat sich bei einem Arbeitsunfall am Daumen verletzt und fällt für die ersten Spiele aus. „Das ist natürlich ärgerlich, er hat sich super präsentiert im Training. Aber zum Glück ist die Verletzung nicht so schlimm. An ihm werden wir in Zukunft viel Freude haben“, ist sich Kempf sicher. Der vierte Neue ist Torwart Kevin Distl, der zuletzt eine Handball-Pause eingelegt hatte und als Nummer zwei hinter Marvin Roche eingeplant ist.
Trotz aller Veränderungen blicken Kempf und Fies optimistisch auf die kommenden Monate. „Wir freuen uns, dass es jetzt los geht. Am Anfang ist immer etwas die Unsicherheit da“, sagt der Coach, während der Abteilungsleiter betont: „Wir haben mit Tomislav Barberic, Régis Matzinger und Dominik Gross nur noch drei Spieler aus der Ü30-Fraktion. Der Altersschnitt ist deutlich nach unten gegangen.“
Offene Führungsrollen
Allen Beteiligten ist bewusst, dass sich die neue Rolle der Mannschaft erst im Ligabetrieb zeigen wird. Die Abgänge der Routiniers wiegen schwer. Vor allem Timo Roll prägte das Oberkircher Spiel über Jahre hinweg. „Die Spieler, die uns verlassen haben, haben viel Raum eingenommen. Dieser Raum ist jetzt frei geworden und muss besetzt werden“, beschreibt Kempf die aktuelle Situation. Genau darin liegt aber auch der Reiz. Andere Akteure bekommen nun die Chance, Verantwortung und Führungsrollen zu übernehmen.
Abgesehen von der Huschle-Verletzung verlief die Vorbereitung positiv. Bereits Ende Juni bat Kempf seine Mannschaft zum Auftakttraining. Ein Schwerpunkt lag zunächst auf Athletik und Crossfit-Einheiten. „Auch wenn es wirklich hart war, hatten alle viel Spaß dran“, berichtet der Trainer. Den Feinschliff will er seinem Team dieses Wochenende beim dreitägigen Trainingslager in Gutach geben.
Das Auftaktprogramm des TVO hat es in sich. Los geht’s am kommenden Samstag beim in der letzten Saison starken TSV Rintheim, danach folgen die Duelle gegen die unberechenbaren Reserven des TuS Schutterwald und HC Neuenbürg. Insgesamt verspricht die Liga Hochspannung. Viele Vereine bewegen sich auf ähnlichem Niveau.
Altenheim und Freiburg-Zähringen zählen für Fies zu den Favoriten, während Kempf auch Kappelwindeck/Steinbach auf dem Zettel hat. Klare Abstiegskandidaten gibt es nicht. Die Aufsteiger aus Zunsweier und Ottenhöfen bringen zusätzlich interessante
Derbyduelle mit. „Das ist mit Blick auf die Regionalität für uns und die Zuschauer sehr attraktiv“, sagt Fies.
Auf jeden Fall scheint die Verbandsliga genau die richtige Umgebung zu sein, um die neue Ära des TV Oberkirch einzuläuten.
DER KADER
Tor: Marvin Roche, Kevin Distl
Feld: Régis Matzinger, Felix Brandstetter, Mikael Kauffmann, Dominik Gross, Jannik Riccius, Pascal Lauble, Tino Birk, Jan Ücker, Fabio Birk, Marcel Faltien, Tomislav Barberic, Max Schmidt, Marcel Roche, Marco Huschle, Fabian Huschle,
Tom Birk, Finn Weißenberger
Trainer: Daniel Kempf (10. Saison) – Co-Trainer: Thomas Armbruster –
Torwartrainer: Thomas Karkutsch, Marc Wachsmann
Zugänge: Mikael Kauffmann (SG Kenzingen/Herbolzheim), Jannik Riccius (ETSV Offenburg), Kevin Distl (pausiert), Fabian Huschle (TV Oberkirch II)
Abgänge: Timo Roll, Dennis Roll, Yannick Ludwig, Christopher Bildner, Marius Angrick (alle Karriereende), Niklas Trayer (MTV Stuttgart), Marc Wachsmann (Torwarttrainer)
Quelle: Mittelbadische Presse, Autor: Marcus Hug
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