Handball-Verbandsliga: Die personell wieder besser aufgestellten Oberkircher ringen den TuS Helmlingen mit 34:32 nieder. Umstrittene Rote Karte gegen Marc Müller als Knackpunkt.
Während die Spieler des TuS Helmlingen enttäuscht zu Boden sanken, hüpfte das Team des TV Oberkirch im Kreis und feierte den dritten Sieg in Folge. Mit 34:32 (15:15) hatten die Renchtäler Sekunden zuvor ein intensives Derby in der Handball-Verbandsliga gewonnen. Und das vor allem, weil man sich endlich wieder auf einige Routiniers verlassen konnte.
„Die mannschaftliche Geschlossenheit hat uns zum Sieg geführt. Jeder hat in gewissen Phasen funktioniert. In den entscheidenden Situationen macht Erfahrung aber viel aus“, fasste TVO-Trainer Daniel Kempf zusammen. Regisseur Tomislav Barberic feierte sein Comeback nach über einem Jahr Pause wegen seines zweiten Kreuzbandrisses, Jan Ücker steht als wichtige Defensiv-Option endlich wieder zur Verfügung. Und auch der 41-jährige Timo Roll, der nach der vergangenen Saison zurückgetreten war, im Dezember wegen Personalmangels aber sein Comeback gefeiert hatte, ist wieder voll dabei.
Solche Optionen fehlten auf der anderen Seite TuS-Trainer Nikolai Wagner, der auf wichtige Akteure wie Lars Schmitt, Tim Karch oder Raphael Jörger verzichten musste. Zudem ist Manuel Meyer wegen Rückenproblemen derzeit nur bedingt einsatzfähig. „Wenn man das bedenkt, haben wir einen tollen Fight geliefert. Ein Unentschieden wäre am Ende vielleicht gerecht gewesen“, findet der Helmlinger Coach.
In den ersten 30 Minuten lieferten sich beide Mannschaften einen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Ab dem 1:0 durch Marcel Roche (2.) legte Oberkirch meist vor, die Rheinauer zogen nach. Beim 8:5 durch Marco Huschle konnten sich die Gastgeber erstmals leicht absetzen (13.), doch dieser Vorsprung verpuffte ebenso wie das 11:8 sechs Minuten später. Beim Stand von 15:15 wurden die Seiten gewechselt.
Mit dem Beginn der zweiten Hälfte steigerte sich sofort die Intensität. Einen 18:15-Vorteil verspielte der TVO in gerade mal 90 Sekunden, als der starke Sven Schmitt ins leere Tor zum 18:18 traf (35.). Bei der nächsten Aktion kam es dann zu vielleicht der Schlüsselszene des Spiels. Beim Versuch, einen nach dem Anspiel schnellen Angriff zu unterbinden, erwischte Marc Müller einen Oberkircher im Gesicht und sah nach kurzer Beratung der beiden Schiedsrichter die Rote Karte. Damit war Wagner überhaupt nicht einverstanden. „Er macht keine Bewegung in Richtung Gesicht, der Gegenspieler läuft ihm rein. Deshalb ist Rot für mich hier zu hart“, erklärte er. Und auch Kempf hätte „mit zwei Minuten leben können“, sagt aber trotzdem: „So wie das aktuell gepfiffen wird, auch bei der EM, kann man es wahrscheinlich geben.“
Noch mehr Unverständnis herrschte auf der Helmlinger Bank, als Régis Matzinger auf der Gegenseite bei einer ähnlichen Aktion 120 Sekunden später nur mit einer Zeitstrafe belegt wurde. „Bei uns geht ein super wichtiger Spieler runter, bei Oberkirch darf ein super wichtiger Spieler drauf bleiben“, ärgerte sich Wagner, nahm die Unparteiischen aber trotzdem in Schutz: „Handball ist so schnell, da gibt es eben Situationen, die so oder so entschieden werden können.“
Sein Team kämpfte weiter, ging beim 24:23 durch Sven Schmitt sogar nochmal in Führung (45.), aber auf der anderen Seite spielten nun vor allem Barberic, Matzinger und Roll ihre Erfahrung aus. Nach Rolls Doppelpack zum 30:26 (53.) stellte Wagner auf eine offensive Deckung um – und hätte damit fast noch Erfolg gehabt. Beim Stand von 33:31 setzte Oberkirchs Max Schmidt 90 Sekunden vor Schluss einen freien Wurf vom Kreis an die Latte, Schmitt verkürzte auf 33:32. Ein technischer Fehler der Gastgeber brachte den TuS nochmal in Ballbesitz, aber ein Verzweiflungswurf von Linus Minet wurde abgeblockt, bevor der starke Pascal Lauble (8 Treffer) mit dem 34:32 den Deckel draufmachte.
„Wir haben es am Schluss mit alles oder nichts versucht. Das hat geklappt, leider haben wir bei der letzten Aktion einen Fehler gemacht. Ich kann der Mannschaft aber nichts vorwefen“, erklärte Wagner, während Kempf erleichtert analysieren konnte: „Es fehlen noch einige Abläufe und Automatismen. Teilweise kriegen wir zu schnelle Gegentore, deshalb wurde es am Schluss nochmal eng. Aber das wird besser werden. Wir sind froh, dass wir personell wieder mehr Möglichkeiten haben.“ Weiter geht’s für den TVO am Sonntag (17 Uhr) beim BSV Phönix Sinzheim, während der TuS Helmlingen zeitgleich den TuS Schutterwald II empfängt.
TV Oberkirch – Helmlingen 34:32 (15:15)
Oberkirch: Marvin Roche, Bildner; Marcel Roche 4, Huschle 2, Brandstetter, D. Roll 3, Gross 5/1, Ücker, Matzinger 4, Barberic 2, Schmidt, T. Roll 6, Lauble 8
Helmlingen: Dold, Seiler 1; Parpart 4, Hirtz 3, Schmitt 10/4, Müller 3, Autenrieth 3, Meyer, Anthonj 4, Minet 4, Vygen
Quelle: Mittelbadische Presse, Autor: Marcus Hug
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